FAQ

1. Warum sind Mass-Schuhe so teuer?

Es handelt sich um administrierte Preise des Bundesamtes für Sozialversicherung. Wenn Sie Mass-Schuhe als private Bestellung offerieren lassen, sind die Preise bei uns tiefer als jene im Sozialversicherungstarif. Die Leistung und Qualität bleiben aber dieselben.

Die Frage nach dem Preis muss insofern relativiert werden, da wir nicht immer wissen, was Mass-Schuhe eigentlich kosten. Der tiefste Preis des Tarifes OSM des Bundesamtes für Sozialversicherung für eine Erstanfertigung beträgt etwa 2'800 Franken, ein sehr hoher Preis kann über 9'000 Franken reichen. Diese Extreme sind jedoch theoretisch und dürften eher selten bis nie vorkommen. Der Durchschnittswert für eine Schuhanfertigung wird vom BSV mit rund 4'000.- Franken und jener für eine Folgeversorgung mit rund 2'900 Franken angegeben. Warum der Preis bei uns in der Schweiz so hoch ist und jenseits der Landesgrenze nur die Hälfte davon, bleibt ein Mysterium. Als hauptsächliche Begründung wird angegeben, dass die qualitative Leistung in der Schweiz höher sei. Eine unabhängige Untersuchung zu diesem Punkt oder der Angabe über die Aufwandszeiten für ein Paar Schuhe von 40 Stunden gibt es nicht. 


2. Weshalb kann es bis zu 4 Monate dauern bis Mass-Schuhe fertig sind und geliefert werden?

Unsere Richtlieferzeiten für die Leistenherstellung betragen 1-2 Wochen und für Mass-Schuhe 4-5 Wochen. In medizinisch begründeten Fällen, wo eine schnellere Lieferung nötig ist, sind wir in der Lage rascher zu liefern.

4 Monate Lieferfrist, was ich schon gehört habe, finde ich zu lange, obwohl im Behördentarif keine Richtlieferzeit vereinbart wurde und sich ein Lieferant theoretisch noch länger Zeit lassen könnte. Auf der anderen Seite muss man sich bewusst sein, dass eine allzu grosse Verkürzung der Lieferfristen mehr Kosten bedeutet. Zeit ist Geld und Expressherstellungen kosten mehr. Ideal ist, wenn man die Liefergeschwindigkeit den individuellen Bedürfnissen anpasst. Orthopädische Mass-Schuhe sind in der Mehrheit keine Akutversorgungen und die Kunden können sich ihren Bedarf im Voraus planen. Da macht eine Verkürzung der Lieferfrist, was zu einer Kostensteigerung führen würde, keinen Sinn. Jedoch kann es unter bestimmten medizinischen Bedingungen durchaus sinnvoll sein, eine Lieferzeit von 4 auf 2 Wochen zu verkürzen. Das muss mit dem Arzt besprochen und entschieden werden.


3. Fersenschmerzen werden oft als Fersensporn bezeichnet – was ist das genau?

Die Plantarfasciitis ist eine chronisch entzündliche Reaktion der Plantaraponeurose am Ansatz des Fersenbeines. Sie führt meistens zu heftigen, manchmal stechenden Schmerzen im Fersenbereich, häufig beim Anlaufen (z. B. morgens bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen). Röntgen diagnostisch ist manchmal ein knöcherner Dornfortsatz zu sehen, das muss aber nicht immer sein und hat mit dem Schmerz direkt nichts zu tun. Wichtig ist, dass der Schmerzherd gut druckentlastet und gedämpft wird. Physiotherapeutisch wird Stretching der Beugemuskulatur am Unterschenkel empfohlen.


4. Was kann bei einem sogenannten Fersensporn gemacht werden?


Es gibt verschiedene Therapievorschläge, je nach Grad der Plantarfasciitis. Die Massnahmen reichen von Fersenkissen über Stosswellenbehandlung bis zu individuellen Einlagen mit gezielter Druckentlastung.

Wichtig ist, dass der Fuss auch in der akuten Phase einer Fasciitis belastet werden kann, ohne dass sich die Körpermotorik an ein Schonhaltungsmuster gewöhnt. Das kann langfristig zu Schäden an anderen Orten des Bewegungsapparates führen.


5. Kann ein Paar Schuheinlagen in verschiedenen Schuhen, auch unterschiedlichster Art, getragen werden?

Eine Einlage sollte möglichst flexibel eingesetzt werden können, im Idealfall sollte sie in allen Schuhen Platz haben. Einlagen können unterschiedlich gestaltet werden, so dass sie eher schmal und dünn sind für „elegante“ Schuhe oder eher bequem und dämpfend für sportliche Schuhe.

Einlagen sind etwas sehr Individuelles. Nicht nur die medizinische Indikation spielt in der Gestaltung einer Einlage eine Rolle sondern auch die Gewohnheiten des Trägers, die Art seiner Schuhe und die Bedürfnisse des Gebrauchs. Wenn es die medizinische Situation erlaubt, kann in der Gestaltung der Einlagen ein Kompromiss an die Schuhe gemacht werden, z. B. wenn die Einlage auch in eleganten Schuhe getragen werden soll. Da solche Kompromisse aber auf Kosten der Wirkung gehen, muss man sich das genau überlegen: Erlaubt der Befund einen solchen, bleibt genügend Wirkung übrig, etc.? Das ist der Grund, weshalb es sehr viele, unterschiedliche Systeme von Einlagen gibt, wie Sporteinlagen, Strassenschuheinlagen, Variofussbettungen etc.


6. Wie lange sollen Einlagen getragen werden? Am Tag, in der Woche, überhaupt?

Eine Einlage kann immer und permanent getragen werden. Beim Angewöhnen ist es ratsam eine Einlage nur stundenweise oder den halben Tag zu tragen. Das Eintragen sollte aber nicht länger als zwei Wochen dauern. Wenn nach dieser Dauer eine Einlage immer noch unbequem ist, sollte man die Einlage durch den Fachmann überprüfen lassen. Kann eine Einlage nicht lange getragen werden, weil sie nach einer gewissen Zeit anfängt zu drücken oder sie rutscht im Schuh umher, dann stimmt etwas nicht.

Eine andere Frage ist, ob eine Einlage immer getragen werden muss. Das kann je nach Fall unterschiedlich sein und sollte auf jeden Fall mit dem Arzt besprochen werden. Wer einen leichten Spreizfuss hat und die Beschwerden sich im Rahmen halten, darf möglicherweise auch abwechslungsweise ohne Einlagen gehen. Fühlt man sich jedoch ohne die Einlage merklich unwohler oder bekommt Schmerzen, ist es ratsam die Einlage zu tragen.


7. Gibt es auch schöne, ansprechende und modische Mass-Schuhe?

Modisches und ansprechendes Aussehen hängt von subjektivem Empfinden ab. Man kann aber nicht alles auf die Geschmacksfrage reduzieren. Ob eine Schuhform natürlich ist oder nicht, fällt dem Auge auf. Unser Gehirn arbeitet hier mit Mustern und lässt auffallen, was augenfällig von einer natürlichen Form abweicht. Hier kommt die Kunst des Fachmannes zum Tragen, der eine räumliche Vorstellungskraft und ein Gefühl für natürliche Formen haben muss.

Am meisten Einfluss auf die Schuhästhetik hat die Leistenform. Über einen unschönen Leisten können wir keinen schönen Schuh bauen, da helfen alle Farb- und Modellkaschierungen nichts. Auch wenn wir nicht immer alle Wünsche erfüllen können, weil wir an die Realität einer Fussdeformation gebunden sind, können wir dennoch sagen, dass die CAD-Technik uns grosse Fortschritte im Design gebracht hat.


8. Beteiligt sich die Krankenkasse an den Kosten für Mass-Schuhe und/oder Einlagen?

In der Grundversicherung gibt es keine Leistungspflicht der Krankenkassen für Einlagen. Beiträge werden bezahlt, wenn eine entsprechende Zusatzversicherung besteht oder wenn die Kasse Kulanzleistungen bezahlt. Mass-Schuhe gehören grundsätzlich und mit wenigen Ausnahmen in die Leistungspflicht der Sozialversicherungen IV, AHV und SUVA. Wichtig ist, dass ein Hilfsmittel ärztlich verordnet ist.

Es gibt aber auch noch viele weitere Leistungen wie Spezialschuhe, orthopädische Serienschuhe, Schuhzurichtungen, Orthesen etc., die je nach Indikation und Fall von einer Kasse übernommen werden. Das muss in jedem Fall abgeklärt werden.
Für den Versicherten ist es wichtig zu wissen, dass er die Wahlfreiheit des Lieferanten hat, er darf selber entscheiden, von welcher Firma er sich versorgen lässt. Der Lieferant muss allerdings bei den Kassen zugelassen sein.
Die Versicherungsagenturen, die IV- oder SUVA-Stellen können in solchen Fragen Auskunft geben.


9. Muss zuerst ein Arzt konsultiert werden oder kann ich direkt zum Schuhorthopäden gehen?

Sie können direkt zum Orthopädiefachmann gehen, wenn sie einfach nur ein Problem abklären oder wenn sie z. B. eine bestehende Einlage erneuern lassen wollen. Der Fachmann wird sie dann zum Arzt weiterleiten, wenn er eine medizinische Relevanz sieht. Für die Rückerstattung von einer Kasse müssen Sie jedoch zwingend eine ärztliche Verordnung haben und diese muss erfolgen, bevor ein Hilfsmittel angefertigt wurde.


10. Können „falsche“ Schuhe einen bleibenden Schaden am Fuss verursachen?

Mit zu hohen Absätzen kann man sich den Vorfuss überlasten. Es ist aber immer eine Frage der Dosis und der Belastbarkeit des Fusses. Gelegentliches Tragen hoher Absätze kann ein gesunder Fuss in aller Regel gut verkraften, während ein dauerndes Tragen und viel Stehen und Gehen ein Deformationsrisiko darstellen. Schmerzen, Rötungen oder Verhornungen sind ein Warnzeichen, dass etwas nicht stimmt. Besonders achtsam sein müssen Diabetiker, wenn sie Neuropathie haben und dadurch nicht mehr alles spüren, was am Fuss geschieht. Hier besteht das Risiko, dass Druckstellen und Infektionen nicht rechtzeitig erkannt werden. Deshalb sollte man die Füsse regelmässig kontrollieren.


11. Wann sind Mass-Schuhe angebracht?

Mass-Schuhe werden immer dann eingesetzt, wenn die üblichen Methoden der Semiorthopädie nicht mehr ausreichen. Das heisst, wenn die Einlage nicht genügt oder durch die Deformation gar keinen Platz mehr in einem Schuh hat, wenn die Formdefekte zu gross sind für eine genormte Form und z. B die Schuhe an der Ferse „schlappen“, während die Zehen zusammengedrückt werden usw. Der Arzt wird in solchen Fällen entscheiden, ob eine Relevanz für eine Massanfertigung besteht.

Ich sehe oft Patienten in meinem Atelier, die einen wahren Leidensweg hinter sich haben und manchmal ein Dutzend orthopädischer Spezialschuhe und Einlagen oder Orthesen ausprobiert haben, bis sie zur Mass-Schuh-Lösung gefunden haben. Die Indikation für Mass-Schuhe reicht von Deformation, Funktionsverminderungen sowie Schmerzen durch Arthritis, Arthrose, Lähmung, Fussinstabilität bis zu Fusszusammenbruch. Häufig kommen spastische Paresen vor, diabetische Charcotfüsse, rheumatoide Arthritis, Rückfussinstabilität durch Tibialis posterior Insuffizienz oder Klumpfuss, Einbrüche im Fussgelenk, Adipositas, ausgedehnte Ulzeration und vieles mehr.


12. Wie wird ein Mass-Schuh hergestellt?

Die Herstellung eines Mass-Schuhs geschieht in drei Schritten. 1. werden die Füsse vermessen und eingescannt, um davon Leistenmodelle herzustellen. Im 2. Schritt wird der Leisten mit Hilfe eines durchsichtigen Folienprobeschuhes getestet, überprüft und ausgefeilt. Im 3. Schritt wird der Schuh nach den Vorstellungen des Kunden bestellt und hergestellt und danach angepasst.

Verschiedene Herstellungsschritte geschehen im Atelier, wie z. B. das Fitting der Leisten oder die Probe, das 3-D-Scannen und Anprobieren, andere Schritte geschehen in dafür spezialisierten Firmen, z. B. das computergesteuerte Fräsen der Leisten und Nähen des Lederschaftes. Von der Wertschöpfungskette her gesehen, kann man sagen, dass der grössere Teil in der Schweiz passiert.


13. Warum braucht es bei Diabetes spezielle Schuhe?

Vom „diabetischen Fuss“ spricht man, wenn zum Diabetes mellitus eine Neuropathie, d. h. ein Sensibilitätsverlust kommt. An den Extremitäten und an den Füssen im Besonderen können Sensibilitätsverluste entstehen. Damit besteht das Risiko von Verletzungen oder Fussproblemen, die nicht wahrgenommen werden und somit zu offenen Wunden und Infektionen führen. Das kann bis zur Amputation eines Gliedes führen. Diabetes adaptierte Schuhe sind besondere Schuhe, die deshalb Druckstellen reduziert sind, d. h. besonders weiches Obermaterial aufweisen, keine Nähte an den Zehen, mehr Innenraum, Dämpfung, Einlagen-Eignung und weitere Eigenschaften aufweisen.

Ein Diabetiker mit Polyneuropathie spürt nicht, wenn ein spitzes Steinchen oder scharfer Gegenstand in seinen Schuh gerät und die Fusshaut verletzt. Die Gefahr einer Infektion ist auch deswegen gross, weil die Heilung beim Diabetiker durch die Stoffwechselstörung verlangsamt ist. Und besonders für den Diabetiker ist Bewegung zum Erhalten der Lebensfunktionen sehr wichtig. Ein Ausfall der Füsse ist für ihn also doppelt tragisch. Deswegen sollte der Diabetiker auch zu Hause nie ohne Hausschuhe gehen, seine Füsse regelmässig visuell kontrollieren und besonders gut pflegen.


14. Wie sinnvoll sind orthopädische Schuhe „von der Stange“?

Konfektionierte orthopädische Schuhe, in der Versicherungssprache Spezialschuhe und orthopädische Serienschuhe, sind dort geeignet, wo von einem Schuh eine bestimmte Funktion oder Eigenschaft verlangt wird, der Fuss sich aber noch in einer gewissen Norm befindet. Z. B. ist es sinnvoll für eine Nachbehandlung nach Kapselbandverletzung am Sprunggelenk einen Stabilschuh wie z. B. von Künzli oder Adidas zu tragen, wenn der Fuss ansonsten eine normale Form hat.

Manche „kleine Fussübel“ können damit wirkungsvoll und schnell behandelt werden. Darunter zählen Schuhe für lose Einlagen, Verbandsschuhe, Spezialschuhe zur Stabilisation, Prophylaxeschuhe für Diabetiker oder Orthesen-Schuhe mit besonderem Volumen für Fuss-Schienen. Die Grenze liegt in der Normabweichung der Fussform oder Funktion. Ein stark deformierter Charcotfuss, Deformationen nach arthrotischen Fusseinbrüchen oder Rückfussinstabilität bei Sehneninsuffizienz setzen einen höheren Anpassungsgrad voraus und machen individuelle Schuhe nötig.


15. Was sind die Vorteile von einem MBT Schuh?

Der MBT Schuh gehört zu der Gruppe von therapeutischen Schuhen, die in den letzten Jahren am Markt erschienen sind. Diese Schuhe sind eigentliche Fitnessgeräte und trainieren vor allem die kurze Fussmuskulatur wie eine Studie eines kanadischen Institutes herausgefunden hat. Insofern halte ich es für ein nützliches Turngerät für einen gesunden Fuss.
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    steht für "frequently asked questions" - was soviel bedeutet, wie "häufig gestellte Fragen".